"Dark" hat jetzt eine "Aftershow": Netflix beherrscht das Serien-Marketing (2)

Staffel eins von "Dark". Foto: Netflix

Angefangen hat das Ganze, wie alles wirklich wichtige im Fernsehgeschäft unserer Zeit, mit Zombies. Seit 2011, seit der Premiere der zweiten Staffel von "The Walking Dead" (ja, so lange laufen die Untoten Rick schon hinterher), gibt es die "Aftershow". Mit großem Erfolg sind beim US-Sender AMC seitdem die "Talking Dead" stets unmittelbar nach der Premiere neuer Abenteuer mit oder ohne Lucille ein ganz normaler Bestandteil des Zombie-Programms.

Es ist nur eine Talkshow und die Macher haben sich den Titel hoffentlich patentieren lassen, denn es ist sicher der passendste Titel für das Genre der Gesprächsrunden überhaupt. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema. Neue und starke Serienfolgen lösen beim Zuschauer offensichtlich Gesprächsbedarf aus und die "Talking Dead" waren damals eine geniale Fernsehmacher-Idee, für die die Zeit einfach reif war. Mittlerweile sind sie im US-Fernsehen eine feste Institution.

"Dark" ist die erste deutsche Serie von Netflix, sie kommt ganz ohne Zombies aus, aber eher düster ist die Geschichte schon. Sie hat auch viel vom Serien-Trend Wald. Und sie hat etwas für deutsche Serien besonderes- ungewöhnlich viel Resonanz. Sogar im Ausland, Netflix "sendet" sie schließlich überall. Manche finden sie schlecht, andere wiederum großartig und die letzteren sind eindeutig in der Überzahl. Wer nun Recht hat, ist eigentlich egal- "Dark" ist für Netflix in jedem Fall schon ein Erfolg. Denn das Hauptproblem deutscher Serien, auch im Streaming, ist doch: Der Zuschauer findet sie meistens weder gut noch schlecht, sondern vor allem entbehrlich. Keiner braucht sie, denn sie regen niemanden auf. Entbehrlich aber ist "Dark", schon als staunenswertes Beispiel dafür was möglich ist, definitiv nicht.

Die Serie ist natürlich Mystery, etwas dunkel, der Name sagt es schon, und es geht auch um Zeitreisen. Das musste vielleicht sein- die Macher brauchten vielleicht den Kontakt zu einer Zeit, als in der Produktion deutscher TV-Serien so etwas noch ging. Der häufig zu hörenden Vergleich von "Dark" mit dem Netflix-Megahit "Stranger Things" ist aber eher gemein. Denn ein Zielgruppen-Programm für süße Waffeln und Teenager ist die Serie auf jeden Fall nicht.

Aber Netflix kann Marketing- und das könnte eine weitere großartige Idee sein: Nach "Dark" bringt der Streamingdienst nun auch die "Aftershow" zur Serie zu uns. Und zwar als Marketing, im YouTube-Kanal, für alle- auch die, die noch gar keine Abonnenten sind. Okay, auch Amazon hat das schon versucht und es "PrimeTalks" genannt. Aber die eigentlich gute Idee verunglückte dann doch zum Zielgruppen-Programm für Waffeln und Teenager und richtig ernst gemeint war es anscheinend nicht.

Bei Netflix diskutieren sie jetzt im ersten Versuch über das "Dark"-Thema Zeitreisen. Und sie meinen es hoffentlich ernst. Denn besser geht Serien-Marketing nicht.

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