Nur Brot und keine Spiele? Das ZDF scheidet wohl aus der Champions League aus.

Foto: ZDF / Marianne Müller

Jede Menge Gerüchte gibt es ja schon seit einigen Wochen. Aber jetzt steht es auch in der "BILD"-Zeitung. Also muss es wohl stimmen. Das öffentlich-rechtliche ZDF kann oder will (oder beides) im Bieter-Wettkampf um die Übertragungsrechte der UEFA Champions League nicht mehr mithalten. Ab der Saison 2018/2019 wird der europäische Spitzen-Vereinsfußball damit für deutsche Zuschauer endgültig ins Pay-TV verschwinden.

Für einen Teil der Spiele trifft dies ja bereits jetzt zu und wir haben es alle überlebt. Nur für das ZDF ist der Ausgang des Rechte-Pokers sicher sehr schmerzhaft. Für 18 Abende im Jahr sicherte die Champions League bisher verlässlich hohe Einschalt-Quoten beim Zuschauer. Vor allem auch bei jüngeren Zuschauern, die der Sender für Hosenträger-Horste, Rosenheim-Cops oder Alp-Traumschiffe sonst eher in die ZDFneo-Filiale abschiebt.

Aus Sicht der ZDF-Gremien waren die dafür bisher fälligen 54 Millionen Euro gut angelegtes Geld. Auch wenn es natürlich noch lange nicht die Gesamtkosten sind. Denn über die Qualität öffentlich-rechtlicher TV-Produktionen lässt sich streiten. Eins steht aber so gut wie immer von vornherein fest: Sie sind nicht billig. Und aus Sicht einer rundfunkbeitragspflichtigen Putzfrau, die sich für Sport nicht interessiert, war das alles schon sehr fragwürdig. Und noch mehr Gebühren-Millionen für Ronaldo & Co. wären wohl kaum noch zu rechtfertigen gewesen.

Die Putzfrau kann sich jetzt freuen. Denn vor der Champions-League sind ja auch die Olympia-Rechte bereits an den öffentlich-rechtlichen Sendern vorbeigegangen. Und damit auch eine weitere heftige Rechnung. Da könnte man den Rundfunkbeitrag theoretisch doch ab 2018 ein wenig senken? Der Putzfrau ein paar Euro im Jahr zurückgeben? Denkste. Schon wieder rechnen die "Experten" in den Anstalten der Politik vor, dass sie unbedingt noch mehr Geld brauchen.

Sind halt alles "Experten". Gewonnen haben den Bieterkampf um die Champions-League wohl Sky und Dazn. Sky ist bald endgültig integrierter Bestandteil eines großen US-Medienkonzerns. Dazn ist das energische Investment eines exilrussischen Milliardärs aus London und New York in einen Zukunftsmarkt, für den er wohl große Perspektiven sieht.

Unsere "Experten" in allen Bereichen sollten einmal über folgende Frage nachdenken: Warum würden über die Idee, ein Medien-Konzern aus Deutschland könnte im Rennen um lukrative Sportrechte in Großbritannien, USA oder Asien mitbieten und gewinnen- warum würden darüber alle laut lachen?



Update 13 Uhr. Das ZDF veröffentlicht so eine Art Dementi zum "BILD"-Bericht: "Es trifft nicht zu, dass das ZDF in der 'vergangenen Woche ausgestiegen' sei. Das ZDF hat Anfang April ein Angebot abgegeben, das weiter Bestand hat. Auch die von der 'BILD'-Zeitung genannte Höhe des ZDF-Angebots ist nicht korrekt. Sie stammt auch nicht vom Sportchef des ZDF, wie der Artikel behauptet."

Mmh. Ob das Angebot der Konkurrenz höher ist oder ob das ZDF noch "was drauflegen" würde, wird nicht gesagt.

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